Bericht der Mitgliederversammlung vom 07. Mai 2019

Veröffentlicht am 12.05.2019 in Abteilung

TOP 1: „Rechte Kampfsportszene – eine neue „alte“ Gefahr für die Gesellschaft?“ – Referent: Robert Claus (freier Autor und Moderator)

In Abwesenheit von Florian Dörstelmann führte der stellvertretende Abteilungsvorsitzende Dr. Kai Lobo kurz in das Thema ein und wies auf die erkennbare Radikalisierung in der Gesellschaft hin, die sich z.B. in Vereinigungen, Gewaltgruppierungen, der Piercing- und Tattoo-Szene sowie auch in Security-Firmen zeigt.

Im Rahmen eines sehr engagierten Powerpoint-Vortrages zeichnete Robert Claus, der 2019 das Buch „Hooligans – Eine Welt zwischen Fußball, Gewalt und Politik“ veröffentlicht hat, ein Gesamtbild der extremen rechten Szene im Sport und insbesondere in der Kampfsportszene und wies dabei auf die Gefahren für die Gesellschaft hin. Robert Claus beschäftigt sich sehr intensiv mit der Entwicklung der Hooligan-Szene im Fußball und im Kampfsport. Diese Szene wird zum Teil aus der Rockergruppe der Hells Angels gespeist, wobei diese im Westen wesentlich von Migranten und im Osten aus der rechten Szene geprägt wird.

Der Hooliganismus existiert seit ca. 40 Jahren mit ausdifferenzierten Gewaltformen, von denen nicht alle rechtsradikal sind. Die extreme Rechte aktiviert sich hier, nachdem sie zuvor im Boxer-Milieu verortet war, seit Mitte der 2000er Jahre in Kampfsportgruppen. Sichtbar treten sie auch am Rande von Fußballvereinen auf, wobei sie nach der Wende die Traditionslogos der Ost-Vereine aufgekauft haben und diese entsprechend verwenden, z.B. von Dynamo. Auch die Gewalt-Szene in Chemnitz hat hier ihre Wurzeln.

Für die Rocker kann sich aus dieser Szene heraus durchaus eine berufliche Karriere z.B. als Türsteher oder auch in Security-Firmen ergeben und ist daher für sie durchaus interessant.

Besonders bedeutsam und von der Politik und Öffentlichkeit bisher wenig beachtet sind die Events und Veranstaltungen der Kampfsportgruppen, die häufig ein Tummelplatz der extremen Rechten sind. Schwerpunkt ist hier Mixed Martial Arts, eine Vollkontakt-Kampfsportart, die in nationalen und internationalen Turnieren ausgeübt wird. Allerdings gibt es hierzu keine Vereinsstrukturen.

Hervorzuheben und am äußeren rechten Rand tummelnd ist der „Kampf der Nibelungen“, eine völkische rechtsradikale Kampfsportgruppe, die sich im rechtsradikalen europäischen Netzwerk bewegt und auch zum Teil finanziert wird. Die Veranstaltungen gehen auf vierstellige Besucherzahlen zu.

Eine Unterstützung der AfD erfolgt nach eigenen Aussagen dieser Gruppe, die die völkische Wehrhaftigkeit zum Ziel hat. Bemerkenswert ist, dass in dieser Gruppe auch Frauen kämpfen, obwohl sie ansonsten eher dem völkischen Rollenverständnis unterliegen.

Ein weiteres neonazistisches Netzwerk ist „White Rex“ aus Rußland. Das Netzwerk tritt auf als Bekleidungsmarke und Organisator von Kampfsportturnieren und will erreichen, dass die „weißen Völker Europas“ ihren „Kampfgeist wiederentdecken“.

Bei den Veranstaltungen der Kampfsportgruppen hat Robert Claus drei Gruppen unterschieden, und zwar:

  • die Pop-Szene, bei der Kampfsport in der Pop-Kultur begründet ist und sdie sich klar von den Nazis distanzieren
  • die rechtsoffene Szene, die sich in gewalttätigen Milieus begründet und geringe Kontaktscheu zu rechten Hooligans hat sowie
  • die rechte Szene, die im extrem rechten Lager begründet ist und von rechten Aktivisten finanziert wird.

Als Fazit zog Robert Claus, dass extreme rechte Hooligans sich von Straßenschlägern zu einem professonalisierten, internationalen Kampfsportnetzwerk entwickelt haben. Es geht dabei um Rekrutierung, Vernetzung und Finanzierung einer Szene, die für den politischen Umsturz trainiert.

In der anschließenden von der stellvertretenden Vorsitzenden Andrea Kretschmer moderierten Diskussion wurden die folgenden Punkte angesprochen:

  • eigene praktische Erfahrungen im beruflichen Umfeld
  • Kampfsport als Nischendasein, jedoch mit über 1.000 Kampfsportstudios in Deutschland
  • Fehlende Vereinsstrukturen für den Kampfsport, daher auch kein Interesse der Sportvereine
  • Unterstützung der rechtsextremen Szene in Europa durch Rußland
  • Verbindung von Kampfsportgruppen mit Security-Firmen
  • Wo ist die Grenze zwischen Rechtsextremen und Mafia? Diese ist wohl an einigen Stellen fließend.
  • Unterwanderung von gesellschaftlichen Gruppen, hier ist auch eine gesamtgesellschaftliche Debatte erforderlich.

Insgesamt handelte es sich um ein sehr interessantes Thema, das bisher viel zu wenig Beachtung in der politischen Diskussion findet.

TOP 2: Antrag

Die Mitgliederversammlung beschloss nach Diskussion einstimmig den von Dr. Kai Lobo und Fabian Schmitz-Grethlein eingebrachten Antrag, der in der überarbeiteten Fassung diesem Bericht beigefügt ist.

TOP 3: Verschiedenes

Anhand von Berichten von Dr. Kai Lobo und Constanze Röder wurde kurz die aktuelle Situation im Kreisvorstand der SPD Charlottenburg-Wilmersdorf.

Dr. Kai Lobo informierte darüber, dass die Mietenveranstaltung im Theater Jaro vom 15. Mai 2019 auf den 12. Juni 2019 verlegt wird. Eine entsprechende Information kommt noch.

Andrea Kretschmer/Dr. Kai Lobo und Udo Rienaß.

 

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